
Die markante Erhebung am östlichen Ortsrand von Lutheran bei Lübz ist eiszeitlichen Ursprungs und gehört zu den Ausläufern der Frankfurter Randlage der Weichselvereisung. In der Vergangenheit nutzte die Gemeinde das von den Gletschern aufgeschobene, heterogene Material als Kies- und Mergelgrube. Nach zeitweiser Zweckentfremdung als wilde Mülldeponie und der Nutzung als Klärschlamm-Ablagerungsfläche der Lübzer Zuckerfabrik bis zu deren Stilllegung 1992, wurde das Gelände sich selbst überlassen. Abseits der öffentlichen Wahrnehmung konnten sich so auf den nährstoffarmen Böden bemerkenswerte Pflanzengesellschaften entwickeln, die in der heutigen intensiv genutzten Kulturlandschaft selten geworden sind.
Das Besondere am Tannenberg ist das enge Nebeneinander unterschiedlicher Lebensräume, das aus dem heterogenen Bodenmosaik der Endmoräne resultiert. Während das Ausbleiben intensiver Nutzung und die Nährstoffarmut die zentralen Qualitätsmerkmale des Gebiets darstellen, zeigt sich die botanische Vielfalt im Nebeneinander zweier verschiedener Rasengesellschaften:
Insgesamt wurden auf dem Gelände bisher 15 Arten nachgewiesen, die auf der Roten Liste der gefährdeten Höheren Pflanzen Mecklenburg-Vorpommerns stehen.
Da die Flächen nicht mehr landwirtschaftlich genutzt werden, droht der Tannenberg zunehmend zu verbuschen. Schlehen und Weißdorn breiten sich stark aus. Diese Gebüsche bieten zwar zahlreichen Singvögeln Schutz und Nahrung, verdrängen jedoch die wertvollen, lichtbedürftigen krautigen Pflanzen der Magerrasen. Ziel des Naturschutzes vor Ort ist es daher, das ökologische Gleichgewicht zwischen Gehölzen und kräuterreichen Offenflächen dauerhaft zu wahren.
Die gezielte Pflege des Tannenbergs blickt auf eine über 20-jährige Geschichte zurück. Im Jahr 2001 initiierten der Botaniker Claus Möller und die Lehrerin Birgit Brügmann die ersten Naturschutzeinsätze. Sie entwickelten die Idee zur praktischen Naturschutzarbeit mit Schülern, überwiegend des Eldenburg-Gymnasiums Lübz, um so die botanische und ornithologische Vielfalt des Tannenbergs zu erhalten.
In der Folge wurden seither zahlreiche Einsätze mit Schülern und Mitgliedern des NABU Regionalverbandes Parchim in Abstimmung mit der Gemeinde Lutheran sowie der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises durchgeführt. In den letzten Jahren engagieren sich zunehmend Bürgerinnen und Bürger aus der NABU Ortsgruppe Lutheran-Lübz bei der Erhaltung ihres Kleinodes. Es galt und gilt noch immer das Gleichgewicht zwischen kräuterreichen Magerrasen und Gebüschen zu wahren und so einen Beitrag für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu leisten.